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Prof. Dr. Walter J. Horst

Bild von Prof. Horst

Verleihung der Hugo-Neubauer-Auszeichnung an Herrn Prof. Dr. Walter Horst durch den Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA) am 17. September 2013 in Berlin

Für außergewöhnliche und herausragende Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet verleiht der VDLUFA die 1952 gestiftete Hugo-Neubauer-Auszeichnung. Bisherige Preisträger waren u.a. die Agrarwissenschaftler Mitscherlich, Kick, Kirchgeßner, Schachtschabel, Nehring, Scheffer, Wöhlbier und Wehrmann. Hugo Neubauer, er lebte von1868 bis 1945, arbeitete nach dem Studium der Chemie an verschiedenen landwirtschaftlichen Versuchsstationen. Er war von 1905 bis 1924 Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Bonn und anschließend bis 1934 Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Dresden. Er beschäftigte sich zunächst mit Fragen der Futtermittelbewertung, untrennbar mit seinem Namen verbunden ist die Entwicklung der Keimpflanzenmethode, mit der die Pflanzenverfügbarkeit von Phosphor und Kalium im Boden untersucht wurde. Diese Methode wurde 1936 als Verbandsmethode anerkannt, sie war über viele Jahre eine der gebräuchlichsten Bodenuntersuchungsmethoden in Deutschland.

Ich selber habe zum ersten Mal von der Keimpflanzenmethode im Rahmen des Laborpraktikums für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim im WS 1981/82 gehört. Verantwortlich für das Praktikum war Herr Professor Walter Horst, den ich nun nach vorne bitten möchte.

Herr Professor Horst wurde in Datteln in Westfalen geboren. Er studierte nach Abitur und Wehrdienst an der Technischen Universität Berlin Agrarwissenschaften wo er 1976 bei Herrn Professor Marschner mit einer Arbeit über den Einfluss von Silizium auf die Mangantoleranz von Buschbohnen promovierte. Anschließend arbeite er für zwei Jahr als Postdoc am Internationalen Institut für Tropische Landwirtschaft in Ibadan in Nigeria. Soweit ich es beurteilen kann, haben die Erfahrungen mit den dort im Vergleich zu uns ungleich schwierigeren Lebensbedingungen  Herrn Horsts weitere wissenschaftliche Laufbahn geprägt und waren Triebfeder für viele Forschungsprojekte, die er durchgeführt hat.

1978 kehrte er nach Deutschland, an das Institut für Pflanzenernährung in Hohenheim zurück, wo sein Lehrer, Herr Professor Marschner zwischenzeitlich einen Ruf angenommen hatte.

Dort habilitierte sich Herr Horst im Jahre 1980 mit einer Arbeit über „Genotypische Unterschiede in der Aluminium- und Mangantoleranz bei Cowpea und Soja“. Dem folgte ein Ruf auf die C3-Professur für Pflanzenernährung in Hohenheim, die er von 1981 bis 1987 innehatte. Von 1987 bis 2011 übernahm Herr Horst  schließlich als Nachfolger von Herrn Wehrmann den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Leibniz-Universität Hannover.

In dieser Zeit hat Herr Horst die deutsche Pflanzenernährung wesentlich geprägt und ihre internationale Ausrichtung gefördert. Die von ihm bearbeiteten Themen waren ausgesprochen vielseitig, man kann sie unter den Begriffen Erhöhung der Nährstoffeffizienz und der Schadstofftoleranz zusammenfassen. So breit wie die Auswahl der Themen war auch der  methodische Ansatz, der von der Durchführung von Feldversuchen bis zu molekularbiologischen Arbeiten reichte.

Sein zentrales Forschungsgebiet, dem er seit seiner Zeit als Doktorand treu blieb, war die Schädigung von Pflanzen durch Aluminium und Mangan unter sauren Standortsbedingungen. Dabei hat er die Bedeutung anderer Mineralstoffe für die Mangan- und Aluminium-Toleranz untersucht, genauso wie den Einfluss pflanzlicher Merkmale und Mechanismen zur Anpassung an Mangan – und Aluminiumstress. Das Verständnis dieser Mechanismen ist Grundlage für das Screening von Genotypen mit hoher Schadstofftoleranz bzw. –resistenz. Einige Beispiele für bleibende Erkenntnisse aus seinen Arbeiten auf diesem Gebiet sind der Einfluss von Silizium auf die Mangantoleranz, die Bedeutung des Mucigels für die Aluminiumtoleranz, das Ausmaß der Bildung von Kallose bei Aluminiumstress oder die Abgabe von organischen Anionen bei Aluminiumstress und die Rolle des Wurzel- und Blattapoplasten für die Schädigung von Pflanzen durch Aluminium oder Mangan.

Weitere wichtige und umfangreiche Forschungsgebiete von Herrn Horst waren Arbeiten zum Verständnis und zur Beeinflussung der Phosphateffizienz und der Stickstoffeffizienz von Pflanzen. Sie reichten von Untersuchungen zum Nährstoffaneignungsvermögen bis zur Entwicklung von Modellen zur Nährstoffverwertung von Pflanzen. Der praktische Hintergrund dieser Arbeiten war sowohl das Ziel die Erträge unter Low Input-Bedingungen zu erhöhen als auch ungünstige Umweltwirkungen unter High Input-Bedingungen zu vermindern.   In neueren Arbeiten griff Herr Horst auch die Themen Pflanzenernährung und Trockenstress sowie Pflanzenernährung und Pflanzengesundheit auf.

Charakteristisch für den Forschungsansatz von Herrn Horst ist, dass er die Erkenntnisse der vorwiegend eher grundlagenorientierten Arbeiten stets für die praktische Anwendung nutzbar zu machen versuchte. Beispiele dafür sind die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der äußeren Qualität von Hortensien bei hohem Aluminiumangebot oder die Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen der Tropen und Subtropen, mit dem Ziel, die Produktivität unter den dort häufig ungünstigen Standortbedingung zu verbessern. So flossen Erkenntnisse aus der jahrelangen Beschäftigung mit der Stickstoffeffizienz von Mais und Raps unter nordeuropäischen Bedingungen in Projekte mit dem International Maize and Wheat Improvement Center ein. Mit seinem Forschungsansatz ist Herr Horst wahrscheinlich einer der letzten, der den Anspruch, die Breite seines Fachgebietes voll vertreten zu können, noch erfüllt.

Nicht unerwähnt darf in dieser Laudatio bleiben, dass Herr Horst nicht nur ein herausragender Pflanzenernährer, sondern auch ein bedeutender Hochschullehrer war. Er hat zahlreiche Doktoranden ausgebildet, von denen viele aus Entwicklungsländern stammten. Ihnen wie ihren deutschen Kollegen hat er unermüdlichen Einsatz für die Sache und unbestechliches wissenschaftliches Urteil vorgelebt, das gleiche hat er auch von ihnen eingefordert.

Herr Horst hat zahlreiche nationale und internationale Ehrenämter begleitet, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Nennen möchte ich nur den Vorsitz der „DeutschenGesellschaft für Pflanzenernährung“ von 1993 bis 1997 und die Präsidentschaft des „International Plant Nutrition Council“ von 1997 – 2001. In dieser Funktion war er mit der Universität Hannover Gastgeber des renommierten „International Plant Nutrition Colloquium“ im Jahre 2001. Seit dem Jahre 2003 ist er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Düngungsfragen des BMELV, und seit 2008 dessen Vorsitzender. Unter seiner Ägide wurden zahlreiche Stellungnahmen zum effizienten, umwelt- und ressourcenschonenden Einsatz  von Düngemitteln erarbeitet, zuletzt eine gemeinsame Stellungnahme der wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik und für Düngungsfragen des BMELV sowie des Sachverständigenrats für Umweltfragender Bundesregierung  zur Novellierung der Düngeverordnung.

Im VDLUFA ist Herr Horst seit 1982 Mitglied. Er hat sich Anfang der 1980er Jahre, damals war Herr Marschner Vizepräsident des VDLUFA, intensiv in die Diskussion um die Festlegung von Richtwerten für die Gehaltsklasse C und die Diskussionen um Entzugs- oder Erhaltungsdüngung eingebracht. Ein von ihm damals angelegter Phosphat-Langzweitversuch fiel in den 90er Jahren leider der Bautätigkeit auf den Feldern zum Opfer.  In meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hohenheim und Hannover hat er Engagement im VDLUFA unterstützt. Wir haben einige VDLUFA-Kongresse gemeinsam besucht, so in Oldenburg, Ulm  und Göttingen. Unvergessen ist mir der Kongress 1994 in Jena, mit einer Unterkunft weit außerhalb der Stadt, und einer abenteuerlichen Heimfahrt über die Feldwege Thüringens am Freitag Abend. Nach meinem Weggang aus Hannover habe ich in verschiedenen Sitzungen und Gremien erlebt, wie Sie an der Wertschätzung für die Arbeit des VDLUFA keinen Zweifel gelassen haben.

Lieber Herr Horst, in Würdigung Ihrer außergewöhnlichen und herausragenden Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet hat der Vorstand des VDLUFA einstimmig beschlossen, Sie mit der Hugo-Neubauer-Auszeichnung zu ehren. Dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich.

Ihnen und Ihrer Frau wünsche ich für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit. Ich bin davon überzeugt, dass Sie ihr wissenschaftliches Interesse auch nach dem „richtigen“ Eintritt in den Ruhestand aufrecht erhalten und hoffe, dass wir in Kontakt bleiben.

Berlin, im September 2013

Prof. Dr. Franz Wiesler (Präsident des VDLUFA)