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Prof. Dr. agr. Jürgen Wehrmann

Bild von Prof. Wehrmann

A. Finck, Professor Dr. agr. Jürgen Wehrmann zur Vollendung seines 65. Lebensjahres, Zeitschrift für Pflanzenernährung und Bodenkunde 1982, Band, 145 Heft 6, 511 - 512.
Copyright Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA. Reproduced with permission.

Jürgen Wehrmann wurde am 13. Dez. 1917 in Stettin als Sohn eines Anwalts geboren und entschied sich nach dem Gymnasium 1936 für die Offizierslaufbahn. Mit dem Kriegsende 1945 wechselte er vom Wehrstand zum Nährstand, absolvierte Praxis sowie Studium und erwarb 1950 das landwirtschaftliche Diplom an der Fakultät in Kiel. Bei Prof. Dr. W. Laatsch promovierte er dann 1953 über Spurenelemente in Weidegebieten Schleswig-Holsteins und führte weitere Untersuchungen über die Mineralstoffernährung von Kulturpflanzen durch. Mit der Übersiedlung seines Lehrers zur Forstwirtschaft nach München (1954) widmete er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Diagnose des Ernährungszustandes und der Düngung von Baumen, woraus 1959 die Habilitation an der Universität München resultierte. Von 1963-65 befaßte er sich im Rahmen der technischen Hilfe an der Universität Addis Abeba, Äthiopien, mit Problemen der Fruchtbarkeit tropischer Boden. Nach Rückkehr und Ernennung zum apl. Professor war er von 1965-67 Direktor des Instituts für Humuswirtschaft an der Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode, wo er sich besonders der Verwertung von Siedlungsabfallen widmete und der Bodenbiologie neue Schwerpunkte gab. 1967 folgte Wehrmann einem Ruf auf den Lehrstuhl Pflanzenernährung an der Fakultät für Gartenbau und Landeskultur der TU Hannover als Nachfolger von Prof. K. Rathsack.

Dort rückten nun Fragen der Ernährung gärtnerischer Pflanzen in den Vordergrund, insbesondere die optimale Stickstoff-Versorgung. Aus diesen Forschungen resultierte schließlich das von ihm fortentwickelte Verfahren zur Bestimmung des leicht verfügbaren Bodenstickstoffs, das als ,,Nmin-Methode" eine Lücke in der Düngerbedarfs-Diagnostik füllte. Da diese Methode im Hinblick auf die richtige Dosierung der Frühjahrs-N-Düngung vor allem auch der landwirtschaftlichen Praxis zugute kam, wurde er zur besonderen Anerkennung von der DLG mit der Schultz-Lupitz-Medaille ausgezeichnet. Wegen der internationalen Bedeutung seiner Methode erhielt er ferner mehrere Vortrags-Einladungen ins Ausland. Zusätzlich zur Frage der optimalen Hohe der N-Düngung für wichtige Kulturpflanzen hat er sich auch mit der richtigen Bemessung von Phosphat und Kali befaßt, insgesamt mit dem Ziel: Düngen, so viel wie nötig, aber nicht mehr als nötig.

In zahlreichen deutschen wissenschaftlichen Gesellschaften (Bodenkundliche Gesellschaft , Gesellschaft für Pflanzenernährung , Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten, Gartenbauwissenschaftliche Gesellschaft , etc.) hat er im Vorstand richtungsweisend mitgewirkt und als Präsident das Internationale Colloquium Plant Nutrition 1974 in Hannover geleitet. Auf legislativem Gebiet war er jahrelang im Wissenschaftlichen Beirat für Düngungsfragen des Bundesministeriums für Landwirtschaft tätig. Ferner widmete er sich auch den Aufgaben der akademischen Selbstverwaltung und war 1969/70 Dekan sowie 1971/72 Rektor der TU-Hannover.

Alles in allem hat Jurgen Wehrmann in 30 Berufsjahren eine beachtliche Forschungsleistung vollbracht, seine Ergebnisse in zahlreichen Publikationen dargestellt, eine Reihe von Doktoranden ausgebildet und über viele Semester als akademischer Lehrer das Fach Pflanzenernährung den Studenten nahegebracht. Fragt man sich nach den Bestimmungsgründen, die eine solche Leistung ermöglichen, so erscheinen einerseits ein breites wissenschaftliches Interesse und ein Blick für das Wesentliche sowie andererseits die frühere Tätigkeit im Generalstab mit der gezielten Planung und effektiven Durchführung von Projekten, kombiniert mit den Anleitungen zum kritischen und umfassenden Denken bei seinem Lehrer Laatsch, als wesentliche Faktoren. Suchen und verkünden der Wahrheit, sei sie manchmal auch gegen landläufige Meinungen gerichtet, sind stets sein Leitmotiv.

Dies alles, in Verbindung mit einem freundlichen, ausgeglichenen und hilfsbereiten Wesen machen ihn zu einem Forscher und akademischen Lehrer im besten Sinne der deutschen agrikulturchemischen Tradition. Seine Freunde und Schüler gratulieren ihm herzlich zum Jubel-Geburtstag und wünschen ihm alles Gute für viele weitere Jahre.

 Arnold Fick, Kiel  

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